Erinnerungen eines Beamten der WSP-Dienststelle Lindau (Bodensee) über Alltags- und besondere Einsätze mit dem Dienstboot „Forelle“.

Es war einmal irgendwann im Jahre 1961/62, das alte Dienstboot "Zander", ein ehemaliges Fischerei-Schutzboot der Ostsee, das in den Wirren das letzten Krieges sich an den Bodensee "verfahren" und jahrelang bei der hiesigen Dienststelle seinen behördlichen Dienst verrichtet hatte, musste in den wohlverdienten Ruhestand versetzt werden.Ein neues, ebenfalls seegängiges Wasserfahrzeug, war, neben dem ca. 18 Meter langen Bau der hiesigen Bodan-Werft aus dem Jahre 1951, dem alten Hecht, nach damaliger Sicht für den bayerischen Teil des Bodensees erforderlich und so wurde an oberster Stelle über einen Neubau nachgedacht.

Wir dachten dabei an eine Werft in der hiesigen Region , zum einen vor unserer Haustüre und dann mit Erfahrungen bezüglich der hiesigen Wetter- und Seegangverhältnisse.

Aber oh Schreck, es sollte ganz anders kommen.

Von oberster Führung war ein Dienstboot geplant, ein Boot, konstruiert und gebaut von einer Flusswerft, der Schottel - Werft in Spay am Rhein. Die ersten Einblicke in die Pläne des neuen Projektes waren für uns teilweise mit viel Skepsis behaftet.

Die Bootslänge von etwas über 14 Meter erschien für die hiesigen Wellengröße und Wellenlängen viel zu kurz.

Der Schiffsrumpf als Halbgleiter machte uns bedenklich bei Sturm mit damit verbundenem Seegang (Wellenhöhe und Wellenlänge).

Die fehlende Seereling war bei Einsätzen im Alltagsdienst, besonders aber bei Rettungs- und Bergungseinsätzen, ein Sicherheitsrisiko für Besatzung und Gästen an Bord.

Die Höchstgeschwindigkeit wurde ebenfalls als Mangel angesehen.

Genauso wie der achterliche Zugang zum Maschinenraum bei Vereisung.

Der einzige der vorgenannten Punkte der die Sicherheit der Bootsbesatzung betraf, konnte von den zuständigen Stellen zu diesem Zeitpunk noch akzeptiert und dann auch in unserem Sinne umgesetzt werden, und dabei handelte es sich die nachträgliche Anbringung einer Seereling. Nachdem dieser Bootstyp jedoch dafür vom Grundsatz her dafür nicht konstruiert war, ist ein verdammt enges Gangbord entstanden und nun komme ich zum alltäglichen Umgang mit dem neuen Dienstboot, der „Forelle“.

Die Überführung unseres neuen Dienstbootes von der Schottelwerft in Oberspay zum Bodensee erfolgte rheinaufwärts bis Basel-Birsfelden und von da aus per Huckepack nach Rorschach am Bodensee. Von hier aus ging es dann mit eigener Kraft bis zum künftigen Standort „Lindau“.

Die „Forelle“ war eingetroffen. Spötter zogen Vergleiche mit einer „Kaulquappe“ und so hatte sie für die Zukunft ihren innerdienstlichen Namen schon weg,

die „Quappe“.

Die Übergabe der Forelle an den Freistaat Bayern erfolgte am 16. Dezember 1963 im teilweise vereisten Segelhafen von Lindau (B). Die Ehrengäste waren zum Dinner eingeladen, natürlich nicht das Fußvolk der hiesigen Dienststelle.

Nachdem ich damals der Moses auf der Dienststelle war, oblag mir in der Regel die Pflicht bei Dienstbeginn das „Klarmachen der Boote“ und „Reinschiffarbeiten nach Verschmutzungen durch Spinnen und Taubendreck. Das enge Gangbord hatte zur Folge, dass meine marineblaue Uniform manchmal wie ein Schmutzfänger aussah. Kamen dazu noch einige Pütz Wasser, war auch die Bügelfalte der Hose im Eimer zum Leidwesen meiner Ehefrau „Gisela“.

Beim Klarmachen der Maschine und des Antriebes (Kühlwasser,- Ölstands,- Bilgenwasser- Kontrolle) u.s.w. war das Öffnen der beiden schweren Motorenraumdeckel oftmals Schwerstarbeit. Der Aufenthalt im Motorenraum abverlangte von einem oft akrobatische Leistungen und machte uns oft zum Träger einer ölverschmierten Dienstkleidung, dies dann meistens noch dazu bei Dienstbeginn.

Ging es dann auf Streifenfahrt, mussten wir das neue Arbeitsgerät erst einmal näher kennen lernen, so wie es halt jedem Skipper wohl geht. Für uns war dies möglichst in kurzer Zeit erforderlich, zumal wir aufgrund unserer Tätigkeit als „Wasserschutzler“ dienstlich etwas anderen Anforderungen und und Erwartungen in der Öffentlichkeit ausgesetzt waren.

Mit der wichtigste Lernabschnitt war das Kennenlernen der Steueranlage. Ein großes Steuerrad, mit dem der Schottel-Navigator per Mechanik gesteuert wurde. Der Navigator mit sogenannter Zugpropeller erlaubte je nach Richtungsstellung im Extremfall ein Drehen auf dem Teller.

Man musste, um das Boot zu stoppen, den Antrieb mit „8 Umdrehungen“ am Steuer um „180 Grad“ drehen. Gleichzeitig befand sich rechts ein ca. 1 m langer, hydraulisch unterstützter, Kupplungshebel, der auch nur mit Kraftaufwand zu betätigen war. Im Zusammenspiel dieser beiden Elemente konnten Kursänderungen, Abstoppen u.s.w. vorgenommen werden. Zur Weiterfahrt voraus hieß es wieder auskuppeln, acht Steuerradumdrehungen weiter und der Antrieb stand wieder auf Vorausfahrt.

Beim Manöver des letzten Augenblickes drehte man einfach den Antrieb mit 4 Umdrehungen, auch bei voller Fahrt, querab und man stand auch schon.

Ließ man die Kupplung bei Manövern schleifen, war ein weiches und genaues manövern möglich und im Laufe der Jahre die gängige Praxis geworden.Schwerstarbeit wurde das Zusammenspiel von Navigator und Kupplung bei Arbeiten im Rettungsdienst und bei sonstigen Einsätzen erst dann, wenn Sturm und dem entsprechender Seegang herrschten.

Leider hatte uns die Forelle von Anfang an Probleme bereitet und dies betraf hauptsächlich den Navigator.

Es traten immer wieder Schäden bei den Kegelradsätzen im Navigator auf. Schottel wurde angerufen, es kam ein Monteur oder auch zwei mit Ersatzteilen. Die Forelle wurde achtern an den Steg im Bootsschuppen gefahren, die Befestigung des Navigators am Heck gelöst und letzterer hoch gekippt. So bekamen auch wir darin Übung. Leider nahm die Häufigkeit dieser Arbeiten derart zu, dass einmal bei der „Probefahrt“ mit dem reparierten Navigator erneut ein Schaden aufgetreten war. Über Ursachen wollte oder konnte man sich nicht auslassen. So kam man auf den Gedanken, Schwingungsmessungen an der gesamten Antriebsanlage vorzunehmen, und siehe da, man hatte den Schuldigen anscheinend im Motorenraum ausfindig gemacht. Kann wohl nur noch am Antriebsmotor liegen, einem 6 Zylinder Deutz – Motor, so vermutete man.

Und so kam es wie es kommen musste. Die Forelle muss zurück zur Schottelwerft .

Umbaumaßnahmen, was das nun genau heißen würde, haben wir erst eine Zeit später erfahren.

Als nautische Hilfsmittel hatten wir damals den Polizeifunk, ein Echolot der Anfängergeneration und einen Kompass, der wegen Platzmangels an der Ruderhausdecke befestigt war.

Am 26. Januar 1977 war es dann so weit. Die Forelle musste den Weg zurück zu ihrer Geburtsstätte nach Oberspay am Rhein antreten.

Um 15.00 Uhr machten wir die Forelle im Hafen von Rorschach (Schweiz) fest in bald darauf war sie auch schon auf dem Tieflader einer Transportfirma aus Basel verladen. Am folgenden Tag um 5.00 Uhr ging es dann auf Schweizer Landstraßen nach Basel-Birsfelden.

In der Rorschacher Zeitung stand: “Die Bevölkerung von Rorschach konnte am Mittwoch-Nachmittag im Hafen von Rorschach ein sehr interessantes Teilstück eines Großtrans-portes mitverfolgen. Das in Lindau stationierte Boot Nr. 31 -die Forelle- der bayerischen Wasserschutzpolizei sollte zur Revision in ihre Heimat-werft bei Koblenz gebracht werden.“

Unter nautischer Leitung eines Lotsenkollegen aus Nierstein fuhren wir talwärts bis Oberspay.

Hier in der Heimatwerft bekam die Forelle u.a. eine neue Reling, eine neue Windschutzscheibe am oberen Steuerstand, einen neuen Anstrich, eine neue elektronische Steuerung und eine neue Antriebsmaschine, einen 10-Zylinder MAN-Motor.

Und jetzt muß ich gleich erwähnen, dass es ab hier keine Schäden mehr am Navigator gab.

Im Laufe des Sommers 1977 war es dann so weit und wir konnten nach Oberspay anreisen um die Forelle abzuholen. Sie stand da wie aus dem Ei gepellt. Unserer oberster Boss war auch da. Wir absolvierten eine Probefahrt vor der Werft und übten mit der neuen Steueranlage. Der Navigator ließ sich per Elektronik mühelos von Voraus auf Rückwärts und umgekehrt dirigieren. Die Abnahmefahrt ging dann talwärts Richtung Koblenz und wieder zurück. Alles „Friede, Freude, Eierkuchen“. Kurz vor der Werft fiel dann plötzlich die elektronische neue Steueranlage aus und mit der Rheinströmung ging es wieder in Richtung Koblenz. Wir ließen den Anker fallen. Auf einem längeren Felsuntergrund schlitterten wir erstmals einige hundert Meter bergab bis der Anker greifen und den Bug gegen die Strömung richten konnte.

Abschleppen zurück zur Werft und am nächsten Tag konnten wir die Heimreise per Bahn und ohne Quappe antreten.

Einige Zeit später reisten wir wieder an und auf dem Weg zur Werft sahen wir am Anleger die Forelle liegen, Motorraumdeckel auf und Monteure bei der Arbeit. Au weh, da stimmt doch was nicht, war unsere Reaktion und wirklich, der Motor war defekt, Motorschaden.

Es dauerte ein oder zwei Tage und dann war auch dieser Schaden behoben. Das Vorschiff voller Verpflegung konnten wir dann, zusammen mit unserem alten Lotsen, die Heimfahrt antreten. Nach geraumer Zeit musste einer die Bordtoilette benutzen um festzustellen, dass der Fäkalientank übervoll ist. Die Werftarbeiter hatten die ganze Zeit über diese Toilette benützt und nicht geleert. Was tun: Den Absaugverschluss an Deck öffnen und mit der Handpumpe die „Sch....“ auf Deck pumpen und mit der Pütz voll Rheinwasser mehrmals nachspülen. Die Wasserqualität wurde damals dadurch sicher nicht beeinträchtigt.

Die neue Steuerung fing langsam an zu mucken und am Ende waren wir Gott dankbar, als Basel in Reichweite kam und wir mit dem letzten „Schnaufer“ unserer neuen Elektronik die Krananlage erreicht hatten. Ich kann mich noch gut an die Worte meines Kollegen erinnern. „Sch...... Forelle, Sch.....Forelle. Es ging auf dem Landweg wieder zurück an den Bodensee und in Rorschach wurde wieder gewassert. Unsere Dienststelle war davon informiert, dass wir mit einem defekten Fahrzeug, von der Werft kommend, Schlepphilfe nach Lindau (B) benötigen. So unrühmlich musste die Forelle die Heimreise abschließen. Im Lindau angekommen ist auch bald danach ein Team von Schottel angerückt.

Mit der neuen elektronischen Steuerung hatten wir jahrelang Probleme. Die Platine wurde mehrmals ausgetauscht, die Schnellumsteuerung von Voraus auf Zurück hatte einen zu fein eingestellten Nullpunkt. Wenn die Kugelrastung nur minimal überschritten wurde kam sofort der Rückwärtsimpuls. Dies war extrem gefährlich bei Manövern bei Nacht, bei häufigem Schalten und vor allem bei Rettungsaktionen, wenn man momentan nicht mehr wusste, was die Umschaltung nun machen werde. Mit umlegbaren Sperrhebeln u.s.w. hatten wir versucht, mehr Sicherheit in dieses System zu bekommen. Wir hatten damals vermutlich den Prototyp der neuen Schotteltechnik . Wenn man dann bedenkt, dass wir mit dieser Unsicherheit Rettungseinsätze u.s.w. fahren mussten und dies in Eigenverantwortung, dann kann ich heute noch über eine derartige Zumutung den Kopf schütteln.

Und trotzdem, wir kamen mit der Quappe immer besser klar. Sie war ein gutes Streifenboot. Bei schönem Wetter zu fahren am oberen Steuerstand. Man hatte von da oben das gesamte Boot rundum im Blick und im Griff. Manövrieren im engen Gewässer, beim Anlegen, einfach im normalen Alltagsbetrieb ohne allzu großem Seegang, wurde für die meisten von uns sogar zum Vergnügen. Sie war sehr gut geeignet bei Fahrten mit Gästen an Bord, bei den jährlichen Fahrten mit den Nobel-Preisträgern und dem politischen Beiwerk, bei Fahrten mit Schnupperlehrlingen, bei Seenotübungen, bei Absuchen vom Seegrund mit dem Echolot u.s.w.. Nicht zu vergessen die Eignung im täglichen Streifendienst, um nur einige Vorzüge zu nennen.

Und wenn dann an schönen Sommerabenden noch die üblichen Kontrollfahrten zum Feierabend gefahren wurden, der See war fast bootsleer, langsame Fahrstufe, der gleichmäßige und beruhigende Lauf des Motors, rundum Frieden, dann konnte man sein Arbeitsgerät unter dem „Hintern“ sogar lieben.

Zu Ergänzung möchte ich mich aber auch an einige außergewöhnliche Einsätze erinnern, wobei diese Gedanken kein Anrecht auf Vollständigkeit besitzen.

04.03.1989, Sucheinsatz beim Absturz eines kleineren Verkehrsflugzeuges im Seegebiet vor Rorschach (Schweiz).

27.02.1991, Zeitungsaufreißer wie: „Fischerkrieg“, „Seeschlacht“, „Scharmützel“, „Mordversuch“ u.s.w.. Die zum Einsatzort gerufene Forellenbesatzung und ein Berufsfischer wurden von einem anderen Fischer mit der Schusswaffe bedroht. Dabei kam das andere Fischerfahrzeug unter den Bug der Forelle und musste Bekanntschaft mit dem Seegrund machen.

24.01.1994, Einsatz bei weiterem Flugzeugabsturz vor Rorschach (Schweiz).

Mit der Wendigkeit der Forelle konnten unter Einsatz des Echolots gesunkene Boote und andere Gegenstände geortet werden. Desgleichen musste sie auch immer wieder bei der Bergung von Wasserleichen und dergleichen herhalten. Dafür und für anderen Bergungen war die Heckplattform sehr gut geeignet.

Leider musste sie in ihrem Leben bei uns ein paar Wehwehchen erleiden.

Bei ungewollter Grundberührung hatte sie sich den Schraubenschutz (Hacke) verbogen.

Etwa im Jahre 1990/91 ist beim Einfahren in unseren Bootsschuppen die Elektronik der Steuerung ausgefallen. Es gab eine grobe Berührung der Bugreling mit einem hölzernen Querträger. Dabei hatte die Reling eindeutig den Kürzeren gezogen. Sie wurde in der eigenen Werkstätte mit eigenen Mitteln repariert und in die heutige Form gebracht. Als unser „Oberster“ aus Nürnberg die neue Formgebung sah, war er tief geschockt, weil der Dienstweg nur von der hiesigen Dienststelle um die Ecke bis zu unseren Mechanikern gereicht hatte.

Das Herz der Forelle wurde etwa 1992/93 getroffen bei einem Seenoteinsatz und bei Föhnsturm der Stärke 9 - 10 . Bei auflandigem Seegang musste ein Surfer mit Gerät in Ufernähe geborgen werden. Mit dem Heck zum Seegang musste die Forelle gehalten werden. Einige Brecher hatten dabei das gesamte Heck überrollt und dabei Wasser über die Luftansaugung in den Motor gedrückt. Leistungsabfall, klar bei Anker, nur mit Mühe konnten wir den Einsatz gut beenden und mit langsamer Fahrt heimwärts fahren. Wir hatten einen klassischen Wasserschlag produziert. Der Motor wurde ausgebaut, in die Werkstätte der Bereitschaftspolizei gebracht, dort repariert, „Kolbenschaden und gestauchtes Pleuel“, und dann wieder eingebaut.

So hatten wir in den letzten Jahren noch ein Problem, das den Einsatz der Forelle stark beeinträchtigt hatte. Das Problem mit immer wieder verstopften Brennstofffiltern. Unsere Mechaniker konnten nicht oft genug die Anlage entlüften u.s.w.. Wir hatten unsere Tankgewohnheiten geändert und führten dieses Problem auf verschmutzten Brennstoff zurück. Zwei gründliche Tankreinigungen wurden durchgeführt, aber es war alles umsonst. Die Ursache dessen wurde erst nach dem Verkauf von Herrn Jürgen Schneider zusammen mit einer Ölfirma festgestellt. Ein Virus hatte sich eingenistet. Und so nahm langsam der Gedanke Form an, die Forelle zu veräußern.

Die Verkaufsausschreibung ergab dann, dass Herr Jürgen Schneider neuer Eigentümer werden sollte und auch dann geworden ist.

Und so kam es dann am Dienstag, den 18. April 1996, nach einer Dienstzeit von 33 Jahren auf dem Bodensee, zur letzten Fahrt für unsere Forelle.

Sie kam bei der hiesigen Bodanwerft in Kressbronn an Land, wurde mit einem neuen Anstrich versehen und für den Landtransport nach Mannheim klar gemacht. Eine Transportfirma aus Hamburg stand für den Landtransport über Ravensburg und auf der BAB bis Mannheim zur Verfügung. Die Transportkosten betrugen laut hiesiger Unterlagen 4 000.- DM.

Und zu Beginn der Liegezeit bei der Bodanwerft komme ich nun noch mal in das Spiel. Nun schon seit 1995 in Pension, konnte ich das Angebot, die Forelle auf dem Neckar von Mannheim zum neuen Heimathafen zu fahren, nicht abschlagen. Ganz im Gegenteil, es freue mich.

In der Nacht vom 1. zum 2. Juli 1996 erfolgte nun der Transport
und
am Dienstag, den 2. Juli 1996, um 13.58 Uhr, lag die Forelle in Mannheim-Sandhofen im Wasser.

Die Fahrt auf dem Neckar ist jedoch nicht ganz reibungslos verlaufen. Das alte Problem mit dem Treibstoff und den verstopften Filtern ist immer wieder aufgetreten. Leistungsabfall und Abfall der Motordrehzahl führten dazu, dass sich die Fahrzeit ungewollt verlängert hatte. Nach ca. 10 Minuten mit niederster Fahrstufe konnte man für kurze Zeit die Drehzahl erhöhen, bis zum nächsten Leistungsabfall.

So haben wir doch noch Neckargemünd erreicht, den kleinen Hafen in einer größeren Bachmündung.

Die letzte Hürde bestand noch bei der Durchfahrt unter einer kleinen Brücke.

Hier hatten wir gerade mal 20 cm Luft nach oben und teilweise nur wenige Zentimeter Wasser unter dem Kiel.

Aber auch hier hatte sich die Forelle mit ihren guten Manövriereigenschaften bestens bewährt.

Diese Erinnerungen erheben in keiner Weise den Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind meine Erinnerungen an insgesamt ca. 32 Jahre Dienst mit und auf der Forelle, der „Quappe“, Erinnerungen, die positiv und auch negativ sind, die aber einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Eine zeitliche Festlegung war manchmal nicht mehr möglich, nicht zuletzt deshalb, weil ich als „Moses“ aus dem Jahre 1963 bei der biologischen Selektion übrig geblieben bin.

Einiges, das in diesen Jahren stattfand, konnte ich nicht zuletzt durch das Studium gewisser Unterlagen wieder zum Leben erwecken. Erinnerungen bereits verstorbener Kollegen sind hier unwiederbringlich verloren, leider.

 

Ich wünsche Ihnen, Herr Ritter, dass Sie an der Forelle noch lange Freude haben, dass Sie viele schöne Stunden auf und mit ihr verbringen können und dass es Ihnen nie an einer

Handbreit Wasser unterm Kiel

fehlen möge.

In diesem Sinne herzliche Grüße aus Lindau (Bodensee),
Ihr Alfred Messerer.

Abgeschlossen: Lindau, den 14. Apr. 2013.